Ein völlig neues Klangerlebnis

Wie ein Carillon-Könner sein Publikum in Illertissen verzaubert.

Fast hatte man den Eindruck, ein neues Carillon zu erleben: Der Würzburger Universitätscarillonneur Dr. Dr. Jürgen Buchner, einer der international
renommiertesten Könner seines Faches, war vom Illertisser Kirchenmusiker Markus Hubert „entdeckt“ und für das elfte Jahreskonzert des Turmglockenspiels in der Stadtpfarrkirche St.Martin engagiert worden. Neu war sowohl manches an der Spieltechnik des Virtuosen; neu war aber auch die originelle Programmzusammenstellung.


Und noch etwas Neues gab es: Erstmals erlebten die Zuhörer den Carillonneur vom Brunnenhof aus sozusagen hautnah, denn eine Elf-Quadratmeter-Videowand erlaubte bisher ungewohnte Einblicke in die Aktivitäten des Künstlers im fünften Stock des Kirchturms. Dabei war gut zu sehen, wie Buchner nicht nur wie üblich mit den Fäusten einzelne Tasten im schönsten Wortsinne traktierte, sondern auch, wie er quirlige Läufe mit einem oder zwei Fingern spielte und damit insgesamt eine äußerst virtuose Technik an den Tag legte.

Das wiederum trug dazu bei, dass sämtliche Vorträge von beschwingter Leichtigkeit geprägt waren, sodass man nie das Gefühl hatte, hier erklingen schwere
Bronzeglocken. Die Töne perlten geradezu vom Turm herab, und das bei allen Stücken aus drei verschiedenen Stilepochen, die Buchner ins Programm gepackt hatte.

Da war zunächst Georg Friedrich Händels d-moll-Suite HWV 448, die mit ihren fünf Sätzen bereits überraschend locker-flockig ertönte. Dann erlebte man Mozarts berühmtes „Laudate Dominum“ aus den „Vesperae solennes de confessore“ einmal gar nicht so „zum Heulen schön“, wie es sonst beispielsweise gerne bei Hochzeiten geboten wird– vielmehr konnte man mit großem Spaß die Themamelodie aus einer Unmenge von Verzierungen heraus hören. Das war es dann auch schon mit der Klassik, und es folgten zwei Originalkompositionen aus dem 20. Jahrhundert, die in ihrer Vielseitigkeit deutlich machten, warum das Carillon nicht nur in seinen Benelux-Mutterländern eine so große Faszination ausübt. Nach der Pause gab es schließlich eine Melodienserie, die Buchner mit „Schlager und Jazzstandards“ überschrieben hatte. Zuerst ging es in die Welt der Goldenen Zwanzigerjahre, wo es hieß: „Schenk mir doch ein kleines bisschen Liebe“ und „Komm auf die Schaukel, Luise“. Das war ganz einfach äußerst vergnüglich anzuhören. Dann erinnerte „What A Wonderful World“ an Louis Armstrong, und der gute alte „Satchmo“ hätte wohl auch Spaß daran gehabt, seinen Welthit in dieser Fassung zu hören. „Moon River“ ließ verträumte Erinnerungen an die grandiosen Henry-Mancini-Filmhits wach werden, und der Jazzstandard „Lullaby Of Birdland“ – fast auf den Tag genau vor 65 Jahren am Broadway entstanden – führte in die bunte Welt des gleichnamigen New Yorker Clubs. Schließlich verabschiedete sich Jürgen Buchner im Walzertakt mit den unsterblichen „Tulpen aus Amsterdam“, die er dank des anhaltenden Beifalls als Zugabe wiederholte, womit er sein Publikum in der Überzeugung entließ, hier ein virtuoses, originelles Konzert erlebt zu haben.
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